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Tour des Monats - Juli 2015

Mainzer Höhenweg

Nur für eine Nacht...

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Startpunkt war Planggeroß im Pitztal. Bis zur Rüsselsheimer Hütte sind es nur 700 Höhenmeter. Der Steig schlängelt sich in vielen sanften Kehren hinauf. Es war schwül warm. Über der Wazespitze braute sich bereits am frühen Nachmittag etwas zusammen. Bald knallte es drüben. Uns erwischte nur ein leichter Schauer.

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Die Hütte war total überbelegt. – Ein Teil fand Platz im Winterraum, die Harten zelteten im Garten.

Der Mainzer Höhenweg erfordert den alpinen Allrounder, der mobiles Absturzgelände, exponierte Bänder, die Querung steiler Firnfelder, leichte Kletterpassagen und Blockgelände auch bei Nässe beruhigt angehen kann. Das Terrain ist auf jeden Fall zu alpin, um herumzukaspern.

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Einige Passagen sind durch massive Ketten entschärft, manchmal sind Versicherungen weggefetzt. Vieles muss frei begangen werden.

Unterwegs liegt Dauerstrom an. In diesem Gelände kann nur eine einzige unachtsame Sekunde alles verändern.

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Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte am Grat das Rheinland-Pfalz-Biwak auf. Die UFO-gleiche Box thront in 3200m auf dem Wassertalkogel.

Wir hatten Glück, das Biwak gehörte uns an diesem Abend allein.

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Die orange leuchtende Schachtel war im Topp-Zustand. - Alles super!

Kaum angekommen, röchelte schon der Benzinkocher zwischen den Felsen. Auf Basis von geschmolzenem Firn gab es große Küche.

Später saßen wir zu neunt bei Kerzenschein in der Kapsel.

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Celebrate the Moment...
Immer wieder verließen wir die Box, um das gewaltige 360°-Kino unter den veränderten Lichtverhältnissen einzufangen.

In der Nacht erreichte uns die angekündigte Störung. Der Wind arbeitete an der Kapsel, Schauer fegten über den Gipfel, dazu prasselten uns Salven von Graupel aufs Dach.

Am nächsten Morgen lag ein mattes Licht über allem, dazu war es lausig kalt.

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Zum Warmlaufen stiegen wir im leichten Gelände zu den Nachbargipfeln hinab. Die zweite Etappe ist durch Blockkletterei bestimmt, manchmal auch mit exponiertem Charakter.

Ein Mix aus Sonne und Nebel bestimmte die Szenerie. Mal zog es komplett zu, dann öffneten sich Wolkenlöcher, in denen Panorama auftauchte. Zwischenzeitlich Graupel und Wind, dann wechselten sich Regen, Nieselregen und trockene Phasen ab.

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Weiß grau weiß grau – Der Grat lag oft im Nebel. Die trüben Schleier nahmen kein Ende. Teils besteht der Grat aus gewaltigen Felsklötzen, die in einem munteren Auf und Ab umgangen oder überklettert werden.

Die Nässe wandelte den flechtenbesetzten Fels in tückisches Terrain.

Dank der vielen Farbmarkierungen war die Orientierung problemlos. Den Wegebauern gilt hier großes Lob!

Resume:
Der Mainzer Höhenweg bietet eine gewaltige Tour.
Und: Komfortreduktion hat auch seinen Reiz. Diese Erkenntnis scheint zeitlos. Schon vor mehr als 2000 Jahren sinnierte Sokrates: Wie viele Dinge es doch gibt, die ich nicht brauche.

 

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