Sektionsgeschichte 1948 bis 1999 | Wiederbeginn, Mobilität, Sektionsheim und Expeditionen

Wiederbeginn am 5. April 1948

Donauwörth war nach dem Krieg zu 75% zerstört, Heimatvertriebene kamen zurück, viele lebten hungernd, frierend. Die Alpen waren in den stets überfüllten Zügen in weite Ferne gerückt.

Ludwig Auers (III), auch GD (für Generaldirektor) gennant, initiierte den Wiederbeginn. Er war seit 1947 Interimsvorsitzender.

Am 5. April 1948 fanden sich 54 Interessierte im Hotel Krone ein, die eine erneute Gründungsvorstandschaft wählten. Es handelte sich um viele junge Leute und Wintersportler. Alfred Vogel wurde erneut zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Rechtlich existierte die Sektion damit noch nicht. Alle Vereine waren durch den Besatzungsstatus verboten. Bei Neu- oder Wiedergründungen war eine Lizenz notwendig. Bereits am 20. April 1948 war die Lizenz da und die neue Sektion trat der "Landesarbeitsgemeinschaft der alpinen Vereine mit Sitz in München" bei, die später zum DAV wurde.

1948 | Lichtbildvortrag, Beitrag und Gedenken an verstorbene Mitglieder

Seit dem 20. Juni gab es die Deutsche Mark von der jeder 40 DM (ca. 20 €) erhalten hatte. Um den Oberlehrer Fritz Meyer für seinen Farblichtbildervortrag am 19. Juli 1948 bezahlen zu können, mussten 50 Pfennig (ca. 0,25 €) Eintrittsgeld erhoben werden. Der Vortrag war ein Erfolg mit nicht enden wollendem Beifall!

Am 11. August wurde zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung geladen, da die Sektion eine finanzielle Basis schaffen musste. Die Aufnahmegebühr schlug mit 3 DM (ca. 1,50 €) zu Buche, der Jahresbeitrag betrug 7 DM (ca. 3,50 €).

Bei der Generalversammlung am 4. April 1949 wurden die Ehrungen für die im Krieg verstorbenen Mitglieder nachgeholt, Ludwig Schägger wurde Ehrenvorstand.

Gründung Jugendsparte

Ferner wurde 1948, unterstützt von den Wintersportlern, die Jugendsparte ins Leben gerufen. Skileiter Karl Bauer organisierte an Pfingsten erstmals im ca. 30 km entfernten Wellheimer Tal (Konstein) ein "Boulder"-Wochenende. Aufgrund der Nähe wurde Konstein zum Kletterparadies, nahezu jedes Wochenende strampelte die Jugendgruppe los.

Die Ausrüstung stellte die Sektion, Erfahrung konnte damals im Gegensatz zu heute, von den Älteren keine beigesteuert werden. Gustl Dinger, Franz Schmidtlein und Johann Obermaier absolvierten den ersten Lehrwartkurs. Gustl Dinger wurde Jugendwart.

Wintersport

1950 trat die Sektion dem Deutschen Skiverband e. V.  (DSV) bei und es meldeten sich stehenden Fußes 39 Mitglieder an! Skikurse wurden angeboten und 1951 fanden die ersten Donauwörther Stadtmeisterschaften im Abfahrts-, und Torlauf statt.

seilschaft gletscher

1953 | Erschütterung während der Stabilisierungsphase

Lichtbilderabende und Faschingsveranstaltungen sorgten für den guten Ruf der Sektion. In diese Aufbau- und Stabilierungsphase hinein erschütterte der Tod Alfred Vogels. Ludwig Auer(III) half aus und wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Die Hauptversammlung 1953 stand aber nicht nur wegen Alfred Vogel im Zeichen der Trauer, sondern die Sektion hatte auch ihr erstes (und bislang einziges) Bergopfer zu beklagen; der 15-jährige Gustl Weber war am Josefitag beim Klettern in Konstein tödlich abgestürzt.

1956 | 60 Jahre DAV Donauwörth

Da der 50. Geburtstag der Sektion 1946 nicht gefeiert werden konnte, wurde ein besonderer Akzent im Jahr 1956 aufgrund des 60. Gründungsfestes gesetzt.

Es wurden jedoch ein Teil der Vereinsdokumente beim Bombardement des Auerhauses vernichtet. Ludwig Auer (III) und Josef Schägger brachten gerade deshalb viele persönliche Erinnerungen ein.

1950er und 1960er Jahre

Das Wirtschaftswunder beflügelte die Aktivitäten der Sektion.

Bei den Langlaufrennen war Helmut Rattenbacher von vielen Allgäuern gefürchtet. Zu den von ihm angebotenen Skilanglaufkursen im Skizentrum Hafenreut/Kaisheim meldeten sich bis zu 50 Teilnehmer an. Das "Stiefkind aus dem Flachland", Charlotte Rattenbacher, wird in den DSV-Jugendkader aufgenommen.

Der zum Gedenken an den ehemaligen 1. Vorsitzenden ins Leben gerufene Langlauf-Event „Alfred-Vogel-Gedächtnislauf“ war sehr beliebt, es beteiligten sich zahlreiche Vereine und es kamen bis zu 1.000 Zuschauer.

Die Jugend unternahm 1959 die erste Klettertour im Ausland. Ziel war das Ascotal auf Korsika.

1967 begab sich Ludwig Auer(III) mit 68 Jahren in den Ruhestand und erhielt den Titel "Ehrenvorsitzender". Adalbert Walterham rückte an die Spitze. 1970 wurde Gustl Dinger zum 1. Vorsitzenden gewählt.

gipfel marmolada

1971 bis 1995 | Eigenes Vereinsheim, Jugendhaus und Garage, Hadergasse 15-19

Der Ruf nach einem eigenen Vereinsheim wurde immer dringlicher. Die Stadt überließ dem Verein 1971 den mittelalterlichen Wehrturm der später als Wasserturm genutzt wurde. Dieser war bis 1971 bewohnt und wurde „unter vielen Mühen von Vereinsmitgliedern“ renoviert. Nach einjähriger Renovierungszeit wurde er 1972 als Vereinsheim eröffnet.

wasserturm luftaufnahme

1992 kam das Wolfhaus hinzu. Das Haus wurde erstmals 1659 als Brothüterhaus urkundlich erwähnt. Im Laufe seiner Geschichte wechselte es 14 Mal den Besitzer. Es gehörte 1671 einem Barchentweber, dann war es im Besitz eines Schneiders, Tagelöhners, Maurers und Telegrafenarbeiters. 1990 hat es die Stadt Donauwörth erworben, 1992 wurde es von der Sektion generalsaniert und beheimatet seit dem die Jugend und das Büro.

1995 kam das kleine, baufällige Haus in der Hadergasse 19, dass sich ebenfalls im Besitz der Stadt Donauwörth befindet, hinzu. Es wurde abgerissen und originalgetreu wieder aufgebaut. Seitdem dient es als Materiallager und beheimatet den sektionseigenen Bus.

wasserturm 1971 und reichsstrasse 1956

1970-1999 | Mobilität und Events

Die mobile Gesellschaft schwärmte jetzt weiter aus und die Mitgliederzahl wuchs. Das Angebot wurde vergrößert. Naturschutz, die Höhlengruppe SpeleoClub ANDON und das Seniorenwandern kamen hinzu. Events werden angeboten oder daran teilgenommen (Teilnahme am Reichsstraßenfest, Faschingsbälle).

Das 100-jährige Bestehen wird 1996 gefeiert. Das Hadergassenfest, das seitdem im zweijährigen Rhythmus angeboten wird, hat Premiere. U. a. wird eine Festschrift herausgegeben und eine Ausstellung im Landratsamt lädt zum Geschichtsrückblick ein.

Skifahrten, Ski-Stadtmeisterschaften und Langlauf-Spitzensport

Bis ca. 1975 war der DAV Donauwörth bei den Skifahrten im Landkreis tonangebend. Skikurse und die Stadtmeisterschaft wurden durchgeführt. Ab den 1990ern wurde mit der Skiabteilung des VSC Donauwörth und den Brettlrutschern kooperiert. Zu den Wettkämpfen meldeten sich bis zu 150 Teilnehmer an.

Josef Egger und Hubert Baumgartner prägten über Jahrzente die Wintersportabteilung.

Toni Tsitsos, Helmut Rattenbacher, Klaus Ambrosy, Heinz Hager und Johann Obermaier sind im Langlauf-Seniorenbereich bei nationalen und internationalen Wettbewerben äußerst erfolgreich. Im Rollskilauf wurde Jakob Neubaur vom DSV für Weltcups nominiert. Toni Tsitsos blickt auf einige Podestplätze bei seinen über 20 Nominierungen in das Deutsche Rollski-Nationalteam zurück!

langlauf und rollskilauf

Partnerschaft und Bergmesse

1973 wird Perchtoldsdorf zur Partnerstadt Donauwörths. Die Sektion Teufelstein wird zur Partnersektion. Donauwörther nehmen an der Wallfahrt nach Mariazell teil, an Pfingsten findet ein gemeinsames Jugend- und Familienlager statt, Wanderwochen werden organisiert.

Pater Anton Karg berichtet über die erste Bergmesse: "Mitten auf der Straße zwischen der Metzgerei Deibler und der Stadpfarrkirche traf es mich. Es war im Frühjahr 1975; ich erinnere mich noch genau. Da ging unser Gustl Dinger auf mich zu und bat mich im September die Bergmesse anlässlich des 80jährigen Sektionsjubiläums auf dem Hochvogel zu halten. Ich wollte und konnte nur ja sagen." Seitdem ist die jährlich stattfindende Bergmesse zu einer festen Institution geworden.

reichsstrassenfest hinterhornbach hoehle

Naturschutz

Ab 1958 war in Naturschutzbelangen der Wanderwart zuständig. 1975 wurde ein eigenständiger Naturschutzreferent bestellt, der ab 1994 Mitglied des Vorstandes ist.

Mit der Kreisgruppe Donau-Ries BUND Naturschutz in Bayern e.V. wird seit 1974 zusammengearbeitet. Damals beteiligte man sich an den Märzenbecher-Streifen, die die Einhaltung der per Schein beschränkten Sammelerlaubnisse überwachte. Schließlich wurde die Untersagung jeglichem Pflückens bewirkt.

In den 1980ern wurden Gewässer untersucht und Müllsammelaktionen mit der Jugend durchgeführt. 1992 ist die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Donau-Ries in Zusammenarbeit mit unserer Sektion aus der Taufe gehoben und im darauf folgenden Jahr sind im Stadtwald am Edelweißweg zwei Feuchtbiotope angelegt worden.

1971-1995 | Expeditionen und Höhenbergsteigen

Die Sektionsmitglieder machten sich in den Kaukasus, in die Anden, nach Afrika und schließlich auch in den Himalaya auf. Nachfolgend eine exemplarische Übersicht:

Mitglied Kategorie Anzahl erreichte Höhe Zeitraum Land/Länder
Johann Obermaier 8.000er 2 7.600 m 1987, 1993 Tibet
Johann Obermaier 7.000er 3 7.495 m 1982, 1984 Tadschikistan
Johann Obermaier 6.000er 6 6.960 m 1982-1992    Alaska, Argentinien, Chile, Ecuador, Tadschikistan
Gunther Kammel 6.000er 4 6.770 m 1978-1987    Bolivien,  Kaschmir, Peru 
Rudi Schiedermair 6.000er 11 6.768 m
1977-1995   
Alaska, Argentinien, Bolivien, Ecuador,  Iran, Kenia, Peru, Mexico, Tansania, Türkei
Werner Felkl 6.000er 1 6.189 m 1983 Nepal
Johann Obermaier 5.000er 13 5.960 m 1975-1995    Chile,  Ecuador, Georgien, Kenia, Mexico, Tadschikistan, Tansania, Türkei 
Rudi Schiedermair 5.000er 23 5.960 m
1971-1993   
Bolivien, Ecuador, Nepal, Peru
Gustl Ketterle 5.000er 1 5.895 m 1980 Tansania
Gunther Kammel 5.000er 9 5.700 m 1971-1984    Bolivien, Mexico, Iran, Peru, Türkei
Werner Felkl 5.000er 1 5.555 m 1986 Nepal
Gabi Miller 5.000er 1 5.033 m 1995 Nepal
Michaela Sievers 5.000er 1 5.033 m 1995 Nepal
Gustav Dinger 5.000er 1 5.018 m 1995 Peru  

Auszug, Stand: 1996

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1970 - 1999 | 30 Jahre geprägt von zwei Vorsitzenden

Gustl Dinger war 18 Jahre, zwischen 1970 bis 1984 und zwischen 1997 und 1999 im Vorsitz. Johann Obermaier 12 Jahre zwischen 1985 und 1996.

Familie Auer

Der Gründer des Cassianeums Ludwig Auer (I) billigte das Engagement seiner Familie für den Verein. Ludwig Auer(II) war 1896 an der Sektionsgründung beteiligt und war 49 Jahre lang, bis zu seinem Tode im Jahr 1945, Schriftführer. Sein Anwesen, das Auerhaus, wurde beim Fliegerangriff auf Donauwörth direkt getroffen.

Sein Sohn Ludwig Auer (III), auch GD (für Generaldirektor) genannt, unternahm noch vor der Jahrhundertwende seine ersten Bergtouren. Er initiierte ab 1947 den Wiederbeginn und war zwischen 1952 und 1966 1. Vorsitzender.

Lore Vogel (geb. Auer) war die Nichte von Ludwig Auer (II). Sie heirate den kaufmännischen Direktor der Fa. Auer, Alfred Vogel, der während des 2. Weltkrieges die Sektion leitete. Beide waren begeisterte Alpinisten, Lore hat anfangs die Bergtouren noch "geziemend" im Rock absolviert, alsbald hat sie ihrem Bruder eine Berghose stibitzt.

 

►Sektionsgeschichte 2000-HEUTE

 

Quellen

  • Broschüre „60 Jahre Sektion Donauwörth“, Sektion Donauwörth des Deutschen Alpenvereins e. V., 1956
  • Broschüre „Alpenverein Donauwörth 1896 – 1971“, Sektion Donauwörth des Deutschen Alpenvereins e. V., 1971
  • Broschüre "1896 - 1996 - 100 Jahre Sektion Donauwörth Deutscher Alpenverein", Sektion Donauwörth des Deutschen Alpenvereins e. V., 1996
  • historischer-verein-donauwoerth.de; Stadtansichten "von oben" | Aufgerufen: Mai 2016
  • panoramio.com/photo/90612835
  • Erinnerungen von Toni Tsitsos, März 2016
  • Bericht "Drei Donauwörthern mit Skiern auf den Spuren des König Ludwigs", Donauwörther Zeitung, Februar 1980
  • Privatfoto von Toni Tsitos, Eingestellt: Januar 2017
  • Jakob Neubaur bei den Deutschen Meisterschaften im Rollskilauf 2015