HÖHLENTIER DES JAHRES des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.

Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. hat auf seiner Jahrestagung 2008 beschlossen, erstmals für das Jahr 2009 ein „Höhlentier des Jahres“ zu wählen. Hiermit soll in der Öffentlichkeit und bei Behörden auf die kaum bekannte zoologische Artenvielfalt in unterirdischen Lebensräumen hingewiesen werden.

Im Jahr 2014 wurde die Aktion "Höhlentier des Jahres" vom Department of Karst and the Cave Protection of the International Union of Speleology mit dem France HABE Prize ausgezeichnet.

HÖHLENTIER DES JAHRES 2018 | SCHWARZER SCHNURRFÜSSER

Der Schwarze Schnurfüßer (Tachypodoiulus niger) wurde vom britischen Zoologen William Elford Leach erstmals im Jahr 1815 beschrieben. Die Tiere können ganzjährig in Naturhöhlen, Bergwerksstollen und Felsenkellern gefunden werden, wo sie standortbezogen auch feste Populationen bilden.

Diese Tatsache führte dazu, dass diese Tausendfüßerart zum „Höhlentier 2018“ gewählt wurde. Der Schwarze Schnurfüßer steht für eine große Zahl von Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind. Beim Schwarzen Schnurfüßer handelt es sich um eine 20 bis 50 mm lange Tausendfüßerart. Der Körper besteht aus 41 - 56 Rumpfringen.

hoehlentier des jahres 2018 schwarzer schnurfuesser foto klaus bogon

Der Schwarze Schnurfüßer kommt außer im Norden des Norddeutschen Tieflands fast überall in Deutschland vor. Außerdem ist der Schwarze Schnurfüßer noch in Frankreich, Spanien, den Benelux-Staaten, der Schweiz, Österreich, Tschechien, Irland und Großbritannien verbreitet. Der Schwarze Schnurfüßer steht für eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind.

Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. will mit der Wahl des Höhlentieres darauf hinweisen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht

HÖHLENTIER DES JAHRES

  • 2009 - Höhlenflohkrebs (Niphargus spec.)
  • 2010 - Zackeneule (Scoliopteryx libatrix)
  • 2011 - Großes Mausohr (Myotis myotis)
  • 2012 - Große Höhlenspinne (Meta menardi)
  • 2013 - Höhlenpilzmücke (Speolepta leptogaster)
  • 2014 - Höhlenwasserassel (Proasellus cavaticus)
  • 2015 - Keller-Glanzschnecke (Oxychilus cellarius)
  • 2016 - Höhlenlangbein (Amilenus aurantiacus)
  • 2017 - Vierfleck-Höhlenschlupfwespe (Diphyus quadripunctorius)
  • 2018 - Schwarzer Schnurfüßer (Tachypodoiulus niger)

Mehr Infos zu den Höhlentieren des Jahres

►hoehlentier.de

Höhlentiere

In der absoluten Dunkelheit des Höhleninneren sind Sinnesorgane wie Augen funktionslos. „Echte“ Höhlentiere sind daher in der Regel blind, verfügen aber über einen ausgezeichneten Geruchs- und Tastsinn. Hierzu sind ihre Extremitäten auffallend verlängert und oftmals mit zusätzlichen Tastborsten ausgestattet. Aufgrund des fehlenden Sonnenlichts und der fehlenden UV-Strahlung bildet die Haut keine Farbpigmente aus und lässt die Tiere zumeist weiß oder farblos erscheinen.

Neben den physischen Anpassungen haben sich bei Höhlentieren auch spezielle Verhaltensmuster entwickelt, die zum Überleben in der ewigen Dunkelheit beitragen. Die dauernde Nahrungsknappheit unter der Erde wird durch ein Herabsetzen des Stoffwechsels kompensiert. Durch langsame Bewegungen wird der Energieverbrauch auf ein Minimum gesenkt. Da eine geringe Körpergröße auch den Nahrungsbedarf minimiert, ist es nicht verwunderlich, dass viele Höhlentiere nur wenige Millimeter groß sind.

Neben diesen vollständig an das Höhlenleben angepassten Tieren findet sich untertage aber auch eine Vielzahl von Tierarten, die recht unterschiedlich an den Lebensraum angepasst sind und auch oberirdisch angetroffen werden. In der modernen Biospeläologie werden heute vier unterschiedliche ökologische Klassifizierungsstufen unterschieden, deren Grenzen aber immer noch verschoben werden. Eine solche ökologische Einteilung ist durchaus sinnvoll, setzt aber ein detailliertes Wissen zur Lebensweise der jeweiligen Tierart voraus.

hoeheltiere

Klassifizierung

Die höhlenfremden (eutrogloxenen) Tiere gelangen nur zufällig in die Höhle, sie können dort nicht dauerhaft existieren. Zu ihnen zählen beispielsweise Tiere, die in Schächte fallen oder durch Hochwässer in die Höhle gespült werden, dort aber zumeist nach kurzer Zeit zugrunde gehen.

Die (subtroglophilen) „Höhlengäste“ suchen Höhlen zu bestimmten Jahreszeiten gezielt auf. Sie können sich zwar in der Dunkelheit orientieren, die Nahrungssuche findet aber in der Regel oberirdisch statt. Zu den überwinternden Höhlenbewohnern gehören beispielsweise Fledermaus- und Schmetterlingsarten. Im Sommer werden die Höhlen auch von bestimmten Köcherfliegen- und Mückenarten aufgesucht, um der Hitze und der Austrocknung zu entgehen. Dabei wird das unterirdische Biotop auch zur Paarung genutzt.

Die „höhlenliebenden“ (eutroglophilen) Tiere führen auch an der Erdoberfläche ein verborgenes Leben unter Steinen, im Erdboden oder unter Baumrinde. Solche Tiere finden in der Höhle optimale Lebensbedingungen und können sich dort sogar fortpflanzen und auf Dauer Populationen bilden. In diese Gruppe gehören beispielsweise zahlreiche Springschwanz- und Spinnenarten.

„Echte“ (eutroglobionte) Höhlentiere haben sich mit ihrem gesamten Lebenszyklus an das Leben untertage angepasst. Diese Tiere könnten bei veränderten Temperatur- und Lichtverhältnissen an der Erdoberfläche nicht auf Dauer überleben. Hierzu gehören beispielsweise die Höhlenflohkrebse und der Grottenolm.

hoehle und fledermaus

Vorteile des Höhlenlebens

Eine zentrale Frage der Biospeläologie bleibt die Suche nach den Vorteilen des Höhlenlebens, zumal bekannt ist, dass ursprünglich an der Erdoberfläche lebende Arten im Laufe der Zeit an das Höhlenleben angepasste Populationen entwickeln können. Diese Arten finden dort zwar extreme Lebensbedingungen, brauchen aber kaum Konkurrenz durch andere Arten zu fürchten. Es ist also anzunehmen, dass sich gerade Arten, die dem Konkurrenzdruck an der Erdoberfläche nicht standhalten können in diese konkurrenzarmen Nischen zurückziehen. Das Fehlen jahreszeitlicher Temperaturschwankungen erlaubt daneben eine ganzjährige Fortpflanzung und ist damit für die Populationssicherung enorm wichtig.

Quelle

  • hoehlentier.de ,für den Internetauftritt „Höhlentier des Jahres“ ist der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. verantwortlich. (►vdhk.de), Fotos: Heiko Bellmann (Ulm), Klaus Bogon, Sontra (www.bogon-naturfoto.de), Rolf Palm (Schwarzenfels), Dr. Helmut Steiner (Hanau am Main), Max Wisshak (Erlangen) & Stefan Zaenker (Fulda), Aufgerufen: 24.09.2016
  • arthropodafotos.de, Dr. Marion Friedrich, Chemnitz, Diphyus quadripunctorius, DE, Chemnitz, Zeisigwald; 2009-04-19 12:09:26, Bildnummer: 2360, Aufgerufen: 25.09.2016
  • Höhlentier des Jahres 2018, hoehlentier.de, Foto: Klaus Bogon, Sontra (www.bogon-naturfoto.de), Aufgerufen: 29.10.2017